Bühnenbank und Stadtmobiliar, Binnentuin – Spoorzone Tilburg
Die Tilburger Spoorzone – eine ehemalige Werkstatt der niederländischen Eisenbahn nördlich des Bahnhofs – lag jahrelang brach und wird nun zu einem lebendigen neuen Stadtviertel entwickelt. Für den öffentlichen Raum erarbeitete die Stadt Tilburg gemeinsam mit Karres en Brands das Ambitionsdokument für den öffentlichen Raum der Spoorzone, das auf drei Leitprinzipien beruht: der kulturhistorischen Identität des Gebiets gerecht werden, auf die Zukunft reagieren (Klimaanpassung, Begrünung, veränderte Mobilität) und Orte für und von allen schaffen.
- Auftraggeber
- Gemeente Tilburg
- Landschaftsarchitekt
- Karres en Brands
- Ort
- Tilburg (NL)
Die Aufgabe
Einer dieser Orte ist ein geräumiger Innenhof: ein Ruhepunkt in städtischer Umgebung, der zugleich als durchgehende Route für den Fuß- und Radverkehr zwischen der Unterführung am Bahngleis und der Innenstadt dient. Das Gebiet grenzt an drei Gastronomiebetriebe, sozial-gesellschaftliche Einrichtungen, eine Bildungseinrichtung und die LocHal und wurde bereits vor der Neugestaltung von Placemakern wie dem Stadttheater De Boemel genutzt.
Die Aufgabe für Karres en Brands war damit zweigeteilt. Das Planungsbüro musste einen Gestaltungsplan entwickeln, der den Ambitionen der Stadt gerecht wird, und diesen Plan gemeinsam mit den bestehenden Placemakern in ein Anforderungsprogramm übersetzen, das zu deren Nutzung des Geländes passte.
Zudem musste das Gelände während der Neugestaltung für diese Unternehmer erreichbar bleiben.
David Kloet von Karres en Brands schildert die Ausgangslage: „Es war abgenutzt und heruntergekommen. Außerdem gab es allerlei Materialien und verschiedene Bereiche waren abgegrenzt. Dadurch war im Laufe der Jahre ein gewisses Durcheinander entstanden. Deshalb wollten wir von isolierten, abgeschlossenen Grundstücken zu einer offenen, gemeinsamen und einheitlichen Innengarten kommen – mit einer Identität, die sich zudem im Tages- und Jahresverlauf je nach Nutzung verändern kann.“
Gestaltungsprinzipien für die Binnentuin
Für den Quartiersplatz formulierte die Stadt konkrete Anforderungen. Wilco Broeks, Projektleiter für den öffentlichen Raum: „Zunächst wollten wir stark begrünen. Es sollte wirklich ein schön gestalteter Platz werden und kein Platz mit Holzschnitzeln auf dem Boden. Außerdem wollten wir ihn klimaresilient und biodivers gestalten. Zweitens sollte die Geschichte des Ortes im Quartiersplatz sichtbar bleiben – so gibt es unter anderem einen Prellbock und ein Stück Gleis. Ein weiteres Erfordernis war, dass der Platz multifunktional sein musste.“
Um diese Multifunktionalität zu erreichen, entwarf Karres en Brands „Akkordeon-Terrassen“, die je nach Anlass größer, kleiner oder anders angeordnet werden können. Zusätzlich kamen Bänke, Sitzgruppen, ein Picknicktisch und eine Bühnenbank hinzu. Broeks: „Es war schön zu sehen, dass auch die Gastronomiebetriebe erkannten, dass der Platz durch diese Ergänzung zu einem einzigartigen, stets lebendigen und pulsierenden Ort werden konnte – nicht nur für die Spoorzone, sondern für die gesamte Innenstadt.“
Kloet erläutert, wie diese Ambitionen in den Entwurf übersetzt wurden: „Bei der Pflasterung haben wir einen Bodenbelag aus verschiedenen Materialien geschaffen, mit einem Augenzwinkern zur Geschichte der Eisenbah-Werkstatt. Die Gleise wurden sichtbar gemacht, und es gibt auch einen Prellbock. Gleichzeitig sollte der Boden einerseits stabil genug sein, um dort ein Festival zu veranstalten, und trotzdem auch leer noch interessant wirken.“ Zudem wurde eine kräftige Begrünung mit Bäumen, Sträuchern und Stauden umgesetzt, gemeinsam mit einer unterirdischen Wasserspeicherung, mit der sämtliches Regenwasser der umliegenden Gebäude abgeführt werden kann, ohne die Kanalisation zu belasten.
Das Mobiliar: inspiriert von Eisenbahnschwellen
Für die Bänke, Sitzgruppen, den großen Picknicktisch und die Bühnenbank orientierte sich Karres en Brands an der Eisenbahngeschichte des Geländes. Niek Smal von Karres en Brands: „Sie alle sind an Eisenbahnschwellen angelehnt. Das hat zu robusten, kräftigen Sitzelementen geführt. Die Stahlgestelle werden mit Klemmen befestigt – nach dem Vorbild, wie Schienen auf Schwellen befestigt werden.“
Pflege und Instandhaltung waren von Anfang an Teil des Entwurfs: Die Elemente sind demontierbar ausgeführt, sodass das Holz – das eine kürzere Lebensdauer hat als der Stahl – einfach ersetzt werden kann.
Die Bühnenbank: ein einzigartiges Objekt
Das markanteste Element des Platzes ist die Bühnenbank, die als Sitzelement, Tisch für Getränke und Veranstaltungsort zugleich dient. Broeks: „Um Letzteres zu unterstreichen, haben wir außerdem einen Lichtring realisiert.“ Kloet ergänzt: „In diesem Lichtring befinden sich bereits verschiedene Beleuchtungsarten. Außerdem kann zusätzliche Beleuchtung für Lichtshows daran aufgehängt werden.“
Gestalterischer Ausgangspunkt war ein Objekt aus übereinandergelegten Kreisen aus Holzbalken. Kloet: „Es ist wirklich ein Unikat.“
Die Stahlgestelle werden mit Klemmen befestigt – nach dem Vorbild, wie Schienen auf Schwellen befestigt werden.
Niek Smal, Karres en Brands
Die Umsetzung durch Grijsen
Für die Herstellung der Bänke, Sitzgruppen, des Picknicktisches und der Bühnenbank entschied sich die Stadt – in Abstimmung mit Karres en Brands – für Grijsen. Smal erläutert die Wahl: „Zunächst einmal erforderte dieser Auftrag Maßanfertigung, und das kann nicht jeder Lieferant. Zudem kann nicht jeder Lieferant das in enger Zusammenarbeit mit dem Auftraggeber leisten. Darüber hinaus verfügt Grijsen über spezifisches Fachwissen – etwa über bestimmte Holzarten, über Pflege und Instandhaltung sowie darüber, wann Holzkonstruktionen abgestützt oder ersetzt werden müssen.“
Grijsen war bereits ab der Ausschreibung eingebunden, auch dort, wo ursprüngliche Ideen überarbeitet werden mussten. Kloet: „Eine gute Zusammenarbeit bedeutet auch, dass man als Lieferant ehrlich sagt, wenn etwas nicht möglich ist. Wir wollten ursprünglich alte Schwellen in den Möbeln wiederverwenden. Grijsen hat uns davon abgeraten, wegen der eingeschränkten Bearbeitbarkeit des Holzes und der Splitterneigung. Und Grijsen hat das nicht nur uns gegenüber angesprochen, sondern auch gegenüber den Beratern der Stadt.“
Auch die Stadt schätzte die Zusammenarbeit. Broeks: „Das hatte mit dem Preis zu tun, aber auch mit der Umgebungsqualität des öffentlichen Raums, die wir ausstrahlen wollten. Außerdem haben wir als Stadt auf Pflege und Instandhaltung geachtet.“
Bei der Bühnenbank kam die Expertise von Grijsen besonders zum Tragen. Kloet: „Bei der Bühnenbank haben wir mehrere Kreise übereinandergelegt, die aus Holzbalken bestehen. Grijsen hat uns hierbei sehr geholfen, indem sie auf Materialeffizienz geachtet haben. Dadurch wirken alle Schwellen vollständig gestapelt, tatsächlich ist unter dem Element jedoch ein Hohlraum entstanden. Das machte das Objekt nicht nur günstiger, sondern in Zukunft auch besser zu warten, weil man besser herankommt.“ Zudem dachte Grijsen über die erforderliche Stabilität der Unterkonstruktion und die Gesamtabmessungen mit, wodurch der ursprüngliche Entwurf kompakter und ausgereifter wurde. Kloet: „Im gesamten Entwurfsprozess der Bühnenbank war Grijsen stets flexibel und hat durchgehend mitgedacht.“
Ergebnis
Die Binnentuin hat sich von einer Ansammlung isolierter, abgegrenzter Grundstücke zu einem offenen, gemeinsamen und grünen Ort mit eigener Identität entwickelt – einer Identität, die sich im Tages- und Jahresverlauf je nach Nutzung verändert. Die Bühnenbank bildet dabei den erkennbaren Mittelpunkt: ein robustes, multifunktionales und gut zu wartendes Objekt, das die Eisenbahngeschichte des Ortes sichtbar hält und zugleich Raum für Veranstaltungen, Begegnung und Alltagsnutzung bietet.